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Diskriminierende Plakate Werbung

13.10.2021


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Sehr geehrte Damen und Herren,

mit extremen Befremden habe ich heute an diversen Orten eine äußerst diskriminierende, verhetzende und gesellschaftlich extrem fahrlässige Werbung ihrerseits mit dem Text "Mit einer Behinderung wirst du nicht gebraucht" oder "Älteres Personal einstellen lohnt sich nicht mehr"

ausfinden müssen.

Was zum Geier soll das? Diese Werbung ist nicht nur ein Griff in das WC, sondern ein Sprung in den Hauptsammelkanal von Wien.

Denn solche negative Texte gehen wie eine Rakete (psychologisch)

gesehen) in die Gehirne von den Menschen und deren Vorurteile werden weiter gefestigt. Mit Ihrem Text in Bezug auf Menschen mit Behinderung, wo ich auch gesellschaftlich gesehen dazu gehöre, haben Sie die Jahrzehnte lange und mühsame Arbeit in diesem Bereich mit einem Handstreich unwiderruflich zerstört und ist somit ein massiver Rückschnitt für die Zivilgesellschaft in Österreich.

Leider Gottes hat Österreich in diesem Bereich eine sehr unrühmliche Geschichte, die nie wirklich aufgearbeitet wurde und deren Nachwirkungen noch heute massiv auswirken. Und jetzt kommen Sie mit diesem Text daher?

Wissen Sie eigentlich, was nun die ganze (uniformierte) 08/15-Bewölerung denkt? Die ganze HR-Abteilungen von Firmen?

Negative Texte/Nachrichten gehen sofort in das Unterbewusstsein und es ist extrem schwer bis unmöglich, dies wieder zu löschen. Dazu gibt es jede Menge Studien aus dem Bereich der Psychologie und Soziologe:

The Relative Power of Negativity: The Influence of Language Intensity on Perceived Strength:

https://urldefense.com/v3/__https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0261927X18808562__;!!PGotIvYIPIYeuQ!DSGoj0kqORb8bdBdbVS9VjTZjr0KXD0b1RPMPAx8PpWCamsCBltjnvqDXUdeY-Z7ow$

How Negative News Distorts Our Thinking:

https://urldefense.com/v3/__https://www.psychologytoday.com/us/blog/the-modern-brain/201909/how-negative-news-distorts-our-thinking__;!!PGotIvYIPIYeuQ!DSGoj0kqORb8bdBdbVS9VjTZjr0KXD0b1RPMPAx8PpWCamsCBltjnvqDXUdgAzH-vw$

Why it's time for brands to abandon negative messaging:

https://urldefense.com/v3/__https://www.cmo.com.au/article/670715/why-negative-messaging-isn-t-working-your-brand/__;!!PGotIvYIPIYeuQ!DSGoj0kqORb8bdBdbVS9VjTZjr0KXD0b1RPMPAx8PpWCamsCBltjnvqDXUdVMQEdTQ$

What Is the Negativity Bias?

https://urldefense.com/v3/__https://www.verywellmind.com/negative-bias-4589618__;!!PGotIvYIPIYeuQ!DSGoj0kqORb8bdBdbVS9VjTZjr0KXD0b1RPMPAx8PpWCamsCBltjnvqDXUeae33_9Q$

Pupmed

Lancet

APS

usw. usw. usw.

Aus meiner Sicht sind für zukünftige Angriffe/Attacken an Menschen mit Behinderung dank dieser Un-Werbung mitverantwortlich.

Ich ersuche Sie dringen und eine Stellungsnahme ohne das übliche Blabla und ohne Buzzwords sowie einen längerfristigen Plan um diesen Schaden wieder gut zumachen. Dies wird sehr lange dauern.

Mit freundlichen Grüßen,


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Durch die Sujetrücknahme bzw. frühzeitige Umstellung auf auflösende Sujets der Kampagne, noch während der Entscheidungsphase, kann die Stopp-Entscheidung als informativ gesehen werden. 

 

Entscheidung:

Der Österreichische Werberat spricht im Falle des beanstandeten Teaser-Werbesujets „Nicht gebraucht“ der Billa AG, die Aufforderung zum sofortigen Stopp der Kampagne bzw. sofortigen Sujetwechsel aus.
Durch die Sujetrücknahme bzw. frühzeitige Umstellung auf auflösende Sujets der Kampagne, noch während der Entscheidungsphase, kann die Stopp-Entscheidung als informativ gesehen werden.

Begründung:
Die eindeutige Mehrheit der Werberäte und Werberätinnen sieht im Hinblick auf die beanstandeten Teaser-Werbesujets eine Verletzung des Ethik-Kodex der Werbewirtschaft, vor allem des Artikels 1.2. „Ethik und Moral“ und des Artikels 1.1 „Allgemeine Werbegrundsätze“.

Die Teaser-Sujets von Billa stellen in Textbotschaften dar, dass ältere Menschen, Menschen ohne Matura und solche mit Behinderung nicht gebraucht werden, beispielsweise mit den Worten „Mit einer Behinderung wirst du NICHT gebraucht“. Die zweite Welle an Sujets löst dies mit der Umkehrung, beispielsweise „Mit einer Behinderung wirst du gebraucht“ und der Darstellung von Billa-MitarbeiterInnen entsprechend auf.

Anmerkung: Wie bereits erwähnt, wurde die Teaser-Kampagne während der Abstimmungszeit (vorzeitig) beendet und auf das auflösende Zweitsujet umgestellt.

Die Mehrheits-Stopp-Entscheidung des Werberatsgremiums wurde aufgrund der Diskriminierung, welche durch die Teaser-Aussagen (bewusst) erzeugt wird und der Möglichkeit eine Retraumatisierung bei den Betroffenen auszulösen, getroffen. Ebenfalls ist durch jene provozierenden Aussagen ein potenzielles Nachwirken, beispielsweise durch eine langfristige Erinnerung und bewusste Verarbeitung, möglich. Damit besteht bei Teaser-Sujets vor allem das Risiko, dass die folgenden Zweitsujets zur Auflösung bei manchen Rezipienten nicht mehr wahrgenommen werden.

Ebenfalls wird von den WerberätInnen als problematisch angesehen, dass die erstgenannten Botschaften hinsichtlich der eigentlichen (und nachfolgenden) Botschaft unaufgelöst und kommentarlos im öffentlichen Raum stehen. Eine zeitgleiche oder eine Anmerkung auf eine kommende Auflösung durch das Unternehmen wird vor allem bei zukünftigen Teaser-Kampagnen als notwendig und sinnvoll erachtet, da nicht davon ausgegangen werden kann, dass die allgemeine Bevölkerung eine nachgehende „Auflösung“ der ersten Kampagnenlinie entgegensehen.

Der Ethik-Kodex wird im Rahmen des Teaser-Sujets im Detail wie folgt verletzt:

Artikel 1.1 Allgemeine Werbegrundsätze:

1.1.5. Werbung darf nicht die Würde des Menschen verletzen, insbesondere durch entwürdigende oder diskriminierende Darstellungen

Des Weiteren wurde eine Verletzung des Ethik-Kodex in Artikel 1.2 „Ethik und Moral“ erkannt:

1.2.3. Werbung darf niemanden mittelbar oder unmittelbar diskriminieren oder Diskriminierung fördern. Besonderen Schutz vor Diskriminierung bedürfen dabei die Diversitätskerndimensionen.

1.2.3. d) Behinderung, Beeinträchtigung: Werbung darf behinderte oder beeinträchtigte Menschen nicht (mittelbar oder unmittelbar) diskriminieren. Ein respektvoller Umgang ist stets zu wahren.

1.2.3. a) Alter: Werbung darf niemanden (mittelbar oder unmittelbar) aufgrund seines Alters oder seiner Generation diskriminieren. Bei älteren Menschen ist stets auf eine würdevolle Darstellung zu achten.


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