Drucken

ROTH „ÖKO-TANK“

20.08.2013


Bild

GLOBAL 2000, Österreichs führende Umweltschutzorganisation, legt hiermit Beschwerde gegen das Unternehmen Roth Heizöle Ges.m.b.H ein. Mit dem Zusatz „ÖKO-TANK“ wird den KonsumentInnen vorgetäuscht, dass es beim Tanken eine umweltfreundliche Wahl gibt. Begründet wird die Umweltfreundlichkeit des Unternehmens mit dem Verkauf von sogenanntem Biodiesel. GLOBAL 2000 widerspricht dieser Darstellung. Zahlreiche Studien (siehe Literatur-Angaben) belegen, dass Biodiesel keine umweltfreundliche Alternative zu konventionellen Kraftstoffen auf Mineralölbasis darstellt, sondern selbst gravierende negative Auswirkungen auf die Umwelt hat: 1) Anders als auf der Homepage der Firma suggeriert („Bei der Verbrennung von Biodiesel wird nur jenes CO2 freigesetzt, das zuvor von der Pflanze aus der Atmosphäre aufgenommen wurde. Der CO2 Kreislauf ist geschlossen.“) ist Raps-Methyl-Ester (RME) nicht klimaneutral, sondern genauso klimaschädlich wie konventioneller Diesel: - Die Emissionen von Treibhausgasen für die Bereitstellung von RME sind erheblich – allein die direkten Emissionen liegen bei mindestens 40 bis 50 % der Emissionen von konventionellem Diesel. - Der zunehmende Verbrauch von Raps für RME führt zu einer Verschiebung im österreichischen, europäischen und weltweiten Markt für Ölfrüchte. Es wird weniger Rapsöl für Nahrungsmittel verwendet und zunehmend durch Palmöl ersetzt. Der Anbau von Ölpalmen hat in den letzten Jahren – auch aufgrund dieses Verdängungseffekts – stark zugenommen. Für diese Ausweitung wird in sehr vielen Fällen Regenwald, z.B. in Indonesien und Malaysia, gerodet. Das heißt Naturzerstörung und Freisetzung großer Mengen von CO2. Bei Berücksichtigung dieser indirekten Landnutzungänderungen ist die Klimabilanz von „Biodiesel“ genauso schlecht oder sogar noch schlechter als von konventionellem Diesel. 2) Die indirekten Effekte (mehr Palmöl in anderen Produkten weil Raps für RME benötigt wird) haben weitere negative Effekte auf die Umwelt und die weltweite Ernährungssituation 3) Raps ist eine Kultur mit intensiver Düngung und intensivem chemischen Pflanzenschutz, und daher auch negativen Umweltauswirkungen. Eine Ausweitung von Raps zulasten anderer Kulturen ist daher ökologisch eher nachteilig. Aus eben genannten Gründen sehen wir es als grobe KonsumentInnentäuschung an, wenn Biodiesel als umweltfreundlich dargestellt wird bzw. sich die gesamte Tankstelle mit dem Verkauf von Biodiesel als „ÖKO“ verkauft. Damit sehen wir Punkt 6 der ALLGEMEINEN WERBEGRUNDSÄTZE (1.1.) und insbesondere Punkt 1.1 des Abschnittes 1.6. UMWELT des Ethik-Kodex der Werbewirtschaft sowie die Artikel 5, E1 und E4 des konsolidierten Kodex der Internationalen Handelskammer (ICC) zur Praxis der Werbe- und Marketingkommunikation verletzt. Wir verlangen deshalb das Entfernen des Zusatzes „ÖKO-TANK“ aus dem Logo und allen Medien, wo dieses Logo abgebildet wurde. Insbesondere gilt dies für die Homepage und die Hinweisschilder in der Nähe der Tankstellen sowie vorhandenes Druckmaterial (z.B. Drive Magazin, auch online: http://www.roth.at/images/7-2-Drive_Magazin_Dez07.pdf; http://www.roth.at/images/57-2-Drive_Magazin2_RZ.pdf). Weiters wird das Unternehmen auf der Homepage und im Drive Magazin in einzelnen Textpassagen und Überschriften „Öko Tank Roth“ sowie die Tankstellen „Öko-Tankstellen“ („Das Unternehmen hat als erstes in Österreich Öko-Tankstellen [...] errichtet“; Homepage, Sektion Unternehmensportrait; siehe Bild) genannt; beides ist zu unterlassen. Zudem soll der Text zu Biodiesel im Sinne obiger Ausführungen richtiggestellt bzw. entfernt werden. Wir freuen uns auf eine baldige Reaktion seitens des Werberats. Mit freundlichen Grüssen, Dr. Kewin Comploi Leiter des GLOBAL 2000 Nachhaltigkeits-Teams Literatur zu Biodiesel: - Friends of the Earth Europe: www.foeeurope.org/agrofuels - Umweltbundesamt 2012: Ökobilanzen ausgewählter Biotreibstoffe - Greenpeace u.a., 2013: Putting EU green transport policy back on track - Leopoldina, Nationale Akademie der Wissenschaften, 2012: Bioenergie –Möglichkeiten und Grenzen - Isermeyer, F. u.a. 2012: Bewertung der Leopoldina-Studie 2012 zur Bioenergie - Friends of the Earth Europe u.a. 2012: Drivers & impacts of Europe‘s Biofuel Policy - Kampmann et al., 2012: Sustainable alternatives for land-based biofuels in the European Union. http://www.cedelft.eu/ - FIAN Österreich 2011: Agrartreibstoffe im Fokus (www.fian.at) - Verkehrsclub Österreich: www.vcoe.at


Bild

Der Österreichische Werberat als Selbstbeschränkungsorgan der werbetreibenden Wirtschaft ist bei werblichen Darstellungen und Aussagen, die möglicher Weise gegen das Bundesgesetz Unlauterer Wettbewerb (UWG) verstoßen, nicht handlungsbefugt. In Österreich sind Verstöße gegen das Bundesgesetz betreffend dem unlauteren Wettbewerb vor Gericht zu klären. Eine juristische Beurteilung einer Werbemaßnahme nach diesem Bundesgesetz (im konkreten Fall die Behauptung einer Irreführung) fällt daher nicht in die Zuständigkeit des Österreichischen Werberates.


European Advertising Standards Alliance

Logo Alliance

Medienpartner

Epamedia RMS ORF Enterprise Gewista
Megaboard Kleine Zeitung ATV VGN-Medien-Holding MEDIAPRINT
IP-Österreich
Servus TV