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Aktuelle Nichtraucher-Kampagne des Bundesministeriums für Gesundheit

09.06.2010


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Auf der Website des Bundesministerium für Gesundheit hat man derzeit Zugriff auf die neue Nichtraucher-Kampagne "Nichtrauchen lohnt sich auf jeden Fall!". Aus dem öffentlichen Rundfunk habe ich entnommen, dass ebenfalls geplant ist, die Kampagne großräumig in Printmedien und anderen Werbeanzeigen zu präsentieren. Beschrieben wird die ganze Kampagne mit folgenden Worten: "[...] Die Botschaft der Kampagne lautet demnach: NichtraucherInnen sind cool, trendig, sympathisch, selbstbewusst, und punkten im zwischenmenschlichen Kontakt. RaucherInnen hingegen schaden sich selbst, ihrer Gesundheit, riechen nicht gut, verschleudern ihr Geld... [...]" Der oben genannte gesundheitliche Aspekt ist sicherlich richtig und wissenschaftlich nicht abzustreiten, RaucherInnen jedoch als "stinkend" und in zwischenmenschlichen Beziehungen als benachteiligt bloßzustellen (im Plakat "Rauchen ist graußlich" wird der jugendlichen Zielgruppe suggeriert, dass diese durch Nichtrauchen "in der Liebe bessere Chancen hätte"), erachte ich persönlich als Infamie. Diese Aussagen sind objektiv nicht haltbar, genau so wenig wie die scheinbare Tatsache, dass "RaucherInnen keinen Spaß hätten und nur NichtraucherInnen nichts von der Party verpassen würden". Mir ist bewusst, dass Provokation in dieser Kampagne eine wichtige Rolle einnimmt, doch mit großgeschriebenen Titeln wie "Rauchen ist graußlich" und "Rauchen ist uncool", sind die Grenzen der Provokation überschritten. RaucherInnen begehen nichts "graußliches" und sie sind auch nichts „graußliches“, es ist nichts Illegales, sie zahlen ihr Geld inklusive Steuern und durch die bestehenden Nichtraucherschutzgesetze sind NichtraucherInnen - sofern Sie sich nicht in Raucherzonen befinden - auch vor dem von ihnen als graußlich empfunden Rauch geschützt. Für sehr bedenklich halte ich auch das Plakat mit dem Titel "Rauchen ist sauteuer", dort heißt es "Urlaub, Handy oder cooles Outfit - wer sein Geld nicht sinnlos in den Zigarettenautomat schmeißt, kann sich mehr leisten [...]". Hier werden Personen anhand von Besitz von Sachgütern auf der einen Seite, beziehungsweise des Konsums von Tabakprodukten auf der anderen Seite, grob in zwei Gruppen eingeteilt, "cool" und "uncool", sicherlich sehr fördernd in Zeiten, in denen Jugendliche am helllichten Tage Opfer krimineller Raubüberfälle werden, weil sie "so ein cooles Handy haben". Alle Anti-Mobbing Vorträge, wie sie in staatlichen Bildungseinrichtungen abgehalten werden, behaupten genau das Gegenteil, sinngemäß "niemand ist cooler oder uncooler, weil er/sie schickere Klamotten oder teurere technische Endgeräte besitzt". Laut Kampagne sind RaucherInnen anscheinend auch nicht in der Lage selbst zu erschließen, wie sie ihr Geld sinnvoll investieren, geben sie ihr Geld für Zigaretten aus ist es ja "sinnlos". Zusammengefasst wird der/die RaucherIn als schlechterer Mensch dargestellt und mit unhaltbaren Beleidigungen konfrontiert, ich bitte mit diesem Schreiben um einen Rückzug der genannten Plakate beziehungsweise anderer weitreichender Konsequenzen. Der eigentliche Sinn einer Nichtraucherkampagne, geht durch unhaltbare Aussagen, in ein gegenseitiges Aufstacheln von RaucherInnen und NichtraucherInnen über und verfehlt den Sinn der Aufklärung und Prävention auf ganzer Linie. Nichtraucherschutz- und Kampagnen, sehr gerne, zwei sicherlich wichtige, sowie ehrenwerte Bemühungen für unsere Gesellschaft, aber bitte ohne diskriminierenden Aussagen, denn es geht sicherlich auch anders.


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Entscheidung:
Der Österreichische Werberat sieht im Falle der Werbekampagne „Nichtraucher“ keinen Grund zum Einschreiten.


Begründung:
Die Mehrheit der Werberäte sieht keinen Grund zum Einschreiten bei der gesamten Werbekampagne, da keinerlei Verletzungen des Österreichischen Selbstbeschränkungskodex erkannt wurden.


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